Wir kaufen politisch korrekt: bei Lukaschenko - TEIL 3: UHREN

in hive-146118 •  9 months ago  (edited)

Entweder rennt man mit so einer Smartwatch rum, also einem hässlichen schwarzen Viereck mit Bildschirm, Festplatte und Funkmodul, das einem den Herzinfarkt schon 10 Sekunden vor dem Eintritt ankündigt.

Nur weil man zu fett ist, braucht man so ein Ding allerdings nicht zu kaufen. Dein Leben ändert sich nicht dadurch, dass es Dir den ganzen Tag Deinen Puls anzeigt.

Oder man scheißt auf den ganzen Technikfirlefanz, der einen ohnehin nur vom Wesentlichen ablenkt, und kauft sich eine echte Uhr.

Eine mechanische Uhr selbstverständlich, und natürlich nicht aus Fernost. Also eine Uhr mit Seele und Geschichte.

Wenn man Fernost ausschließt, bleibt außer der Schweiz und Deutschland kaum noch was übrig. Und dann Freunde, müsst Ihr richtig tief in die Tasche greifen. Das geht bei paar Tausend los und hört bei paar Zigtausend auf. Es sei denn, man kauft irgendwelche Brands, die zwar Made in Germany draufschreiben, aber tatsächlich den ganzen Kram in China und Japan kaufen und dann hier zusammenschrauben.

Wie immer auf der Welt gibt es auch hier Ausnahmen. Die eine Ausnahme ist die russische Uhrenindustrie, die extrem anständige, überraschend genaue und robuste mechanische Uhren herstellt; im unteren Einstiegsbereich von ab 100 Euro bis hin zu megageilen Premiummanufakturen wie RAKETA mit 100% Fertigungstiefe, wo die Einstiegsuhren aber schon um die 1000 Euro kosten. Was bei der Qualität der Uhren immer noch ein absolutes Schnäppchen ist. Übrigens Leroys absoluter Favorit.

Die zweite Ausnahme im ehemaligen Ostblock ist Weißrussland, eines der wenigen Länder der Welt, wo sogar die Regierung sich als Flüchtlingshelfer betätigt. Allerdings ohne dafür so gelobt zu werden wie andere zuvor. Das unterstützt Leroy natürlich, wenn der Präsident Schutzsuchenden den Weg in die Vollkasko-Gesellschaft ohne Mitgliedsbeitrag freimachen möchte.

Außerdem ein Land, das das Corona-Virus mit Vodka bekämpft, und zwar allem Anschein nach damit deutlich effektiver als die Bananenrepublik Deutschland es mit gentherapeutischen Eingriffen in unser Immunsystem tut. So als Funfact am Rande.

Es geht um die Uhrenfabrik LUCH (gesprochen: Lutsch, was auf Deutsch "Strahl" bedeutet).

Die Uhren werden nach wie vor von Hand in Minsk gefertigt; es gibt ein sehr weites Sortiment von langweiligen Quartzuhren im Swatch-Stil bis hin zu Metallproleten mit Schweizer Uhrwerken. Auch diese übrigens in erstklassiger Qualität.

Interessanter sind die Uhren mit dem hauseigenen, mechanischen Uhrwerk 1801. Es handelt sich ursprünglich um ein Uhrwerk für Damenuhren, es ist daher wesentlich kleiner als die meisten mechanischen Uhrwerke. Dabei gilt die Faustregel: je kleiner, desto komplizierter und desto schwieriger, eine gute Ganggenauigkeit zu erreichen.

Umgekehrt hat man den Vorteil, das Uhrwerk in ein breites Sortiment an Gehäusen einzusetzen - von klein bis groß.

Das Uhrwerk 1801 ist für seinen Preis und seine Größe ganz große Klasse. Es verfügt über ca. 40 h Gangreserve und eine Ganggenauigkeit von zwischen 20 und 40 Sekunden am Tag. In der Preisklasse und Größe top.

Ein Modell für Liebhaber und Freunde des Außergewöhnlichen dürften die Einhanduhren mit obigem Uhrwerk sein. Es ist gerade eine neue Edition in vielen Farben und Ausführungen zum Einstiegspreis von ca. 100 Euro herausgekommen.

Hier ein Beispiel. Ist natürlich Geschmackssache, aber ich finde es großes Kino. Die Uhr hat den zusätzlichen Vorteil, dass sie einen gleich entschleunigt. Denn auf die Sekunde schaut man nicht mehr, eigentlich geht es nur so um fünf Minuten. In dem Zusammenhang fällt auch eine evtl. fehlende Ganggenauigkeit weg. Es reicht, wenn man die Uhr alle paar Monate nachstellt.

luch_einhänder.png

Mit so einem Ding läuft in Deutschland wirklich fast niemand rum. Die neue Edition gibt übrigens auf der Rückseite den Blick aufs Uhrwerk mit einem kleinen Fenster frei. Auf sowas steh ich ja total.

Wer sich die Scherereien mit Versand und Zoll usw. sparen will, kauft die Uhren nicht ab Werk, sondern bei dem Münchner Uhrenhändler Julian Kampmann bzw. seinem Shop www.poljot24.de, der die Uhren importiert. Leroy hat dort bereits mehrere Uhren gekauft. Der Service ist erstklassig, die Uhr ist schnell geliefert und man hat den Service hier im Land. Da fallen 10 Euro mehr kaum ins Gewicht. Herr Kampmann antwortet schnell und verbindlich und ist sehr entgegenkommend.

Es gibt dort übrigens auch noch andere schöne Uhren aus Russland und Weißrussland. Und nein: ich bekomme keine Provision.

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Seit ich die Schule verlassen habe hatte ich auch keine Uhr mehr am Gelenk aber so wie @afrog habe ich das noch nie gesehen wenn ich drüber nachdenke er hat recht . Aber wenn sollte es schon Modell, Mechanik , Old school sein !
VgA

  ·  9 months ago (edited)

Ganz früher, wenn wirklich keine Uhr in Sicht war, konntest du noch in die Autos reingucken. Da liefen ganz fröhlich analoge Uhren vor sich hin. Heute wird die Anzeige der Uhr mit dem Auto abgeschaltet. Insofern bin ich ein richtiger Loser.

  ·  9 months ago (edited)

Afrog ,ey ! klar das haben wir doch alle gemacht jetzt wo Du es sagst Danke für die Zeitreise hihi das waren bei mir die Siebziger nana Loser? Sicherlich nicht ich habs handy dabei und frag die anderen meist wie spät es ist wenn nicht irgendwo ne Zwiebel rum hängt
VgA

Bisher konnte mich eine Armbanduhr noch nie richtig vom Sockel hauen. Das war selbst schon zu Schulzeiten so. Damals war ich mit einer mechanischen Taschenuhr ziemlich ausgefallen. Wenn ich es mir recht überlege, wäre ich es heute auch noch. Eine Taschenuhr ist ja noch mehr old school als eine mechanische Armbanduhr

Für eine Taschenuhr bin ich nicht der Typ gewesen schau mir die Teile gern an aber zu speziell für mich aber ja das ist wohl dann noch mehr old School

Super! Leroy als Chronographen kundiger Influencer. Welche Raketa trägst du und welchem Magazin bietest du den gelungenen Text an?

Leroy hat die Big Zero 0249

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Die gab es mal für 750 Euro und ist der Klassiker von Raketa. Das Modell hat auch Gorbatschow getragen (also nicht dieses konkret, sondern eine Vorgänger-"Big Zero" mit Handaufzug, mechanisches Laufwerk 2609).

Screenshot 2021-11-28 164002.png

Die aus der UdSSR bekommt man gebraucht in gutem Zustand für ca. 100 Euro bei Etsy. Das Uhrwerk ist bei guter Pflege fast unverwüstlich, obwohl die Dinger in der Sowjetunion in den 80ern nicht mehr gerade höchste Fertigungsqualität hatten.

Die aktuelle Uhr ist nicht mehr erhältlich. Ist die einfachste Uhr dort; keinerlei Komplikationen, nur Uhrzeit. Automatikuhrwerk russische Eigenentwicklung aus den 2000ern. Alles Handarbeit vor Ort mit alten sowjetischen Maschinen, keine Computerfräsen. Es wird nichts zugekauft, ALLES wird vor Ort mit eigenen Kräften hergestellt. Gangabweichung im Monat ca. 5 Sekunden bei mir, stoßdicht, wasserdicht.

Wahrscheinlich müsste ich jetzt beeindruckt sein, aber ich trage gar keine Uhren. Die haben, bister zuverlässig, immere andere für mich getragen. Danke für die weitere Erleuchtung meiner Zeit.

Eine mechanische Armbanduhr ist ein schöner Anachronismus und ein Fashion-Statement. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Ist wie mit fast allem: entweder fasziniert es einen oder nicht :-)

Das mit der Erleuchtung habe ich ernst gemeint. Dein Artikel war schön zu lesen. Der Text hat mich daran erinnert, dass es gerade im Osten des Kontinents ernstzunehmende Uhrmacher gibt, die lieber ganz praktische, harte Alltagsprobleme lösen, als mit reichhaltigen Funktionen und Edelmetall den Preis hochzuschrauben. Russentechnik hat schon immer einen rustikalen, praktischen Charme und was in Berlin ein Fashion-Statement ist, gerät in Sibirien zum zuverlässigen Werkzeug, das du auch noch mit vereisten Augen ablesen kannst.

Mit den Uhren ist wie wie bei vielem bei den Russkis. Nicht immer auf dem aller neuesten Stand, aber robust und deswegen überleben die Sachen auch locker die 10 nächsten "Verbesserungen" der "modernen" Welt. So ne Uhr tickt auch noch, wenn die anderen die fünfundzwanzigste Smartwatch auf den Müll geworfen haben.

Langfristig ist ein solcher Mechanikwecker definitiv die bessere Wahl und im aller grössten Notfall noch ein Tauschmittel. Wenn es knallt, dann kannste dir den ganzen SmartKack sonst wo hin schieben :D

Aber das ist dann für die Fraktion egal. Die sind im Notfall MIT oder OHNE Uhr zu spät drann.

Leroy hat dort bereits mehrere Uhren gekauft. Der Service ist erstklassig,

Was machst du mit soviel Uhren? Bist du Sammler, mit gleichzeitiger Geldanlage? Wenn die Uhren so robust und langlebig sind, muß das ja sowas in der Richtung sein. Denn ich glaube nicht , daß du sie alle geichzeitig am Arm hast, wie man in einigen lustigen Filmchen sehen konnte, wie Hehler ihre Waren an den Mann bringen. Hihi

Ich hab nen Faible für alte sowjetische Uhren.

Ich verwende seit 3 Leben ausschließlich SEIKO Automatics. Günstig und sehr langlebig, bei guter Genauigkeit. Will ich einen Harten machen, nehme ich einen Breitling-Blender :-). Die Nutten stehen darauf :-)))

Seiko ist vom Preis-Leistungsverhältnis her fast unschlagbar, die Uhrwerke sind top, das Design in Ordnung, manche sehen sogar gut aus, die Verarbeitung über Durchschnitt. Als Arbeitsgerät spitze. Absolut rationale Entscheidung, kann ich jedem nur empfehlen!
Mich persönlich lassen die aber völlig kalt. Ist wie ein Toyota als Auto.